400 Millionen € mehr im Bildungsetat klingt gut ... bedeutet aber:
Streichung der Zuweisung für die Binnendifferenzierung an integrierten Gesamtschulen.
Kürzungen bei der Ausbildung von jungen Lehrkräften im Vorbereitungsdienst.
Zu große Lerngruppen insbesondere in den Intensivklassen.
Streichung der Alterstentlastung ab dem 55. Lebensjahr.
Rund 300 Menschen haben sich am 25. Februar vor der Offenen Schule Waldau (OSW) in Kassel versammelt, um gegen den "Etikettenschwindel", die angekündigten Kürzungen im Bereich Schule und Bildung zu protestieren. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Unter den Teilnehmern waren zahlreiche Schüler*innen, Lehrkräfte, Eltern und Mitarbeitende der Studienseminare.
Viele der anwesenden Schüler*innen hielten selbst gestaltete Plakate in die Höhe. Auf ihnen standen Slogans wie „Ihr spart, wir leiden“, „Das ist keine Reform, das ist rücksichtslos“ und „Vielfalt braucht Menschen“. Die Stimmung war kämpferisch, aber solidarisch.
An der OSW sollen nach aktuellen Planungen drei Lehrerstellen wegfallen. Als IGS ist sie besonders betroffen, durch den Wegfall der zusätzlichen Lehrerstunden in nicht binnendifferenzierten Klassen.
Auch das Studienseminar in Kassel ist von den Kürzungen betroffen. Eine Sprecherin des Studienseminars schilderte die Auswirkungen auf die Ausbildung angehender Lehrkräfte und warnte vor einer weiteren Verschärfung des Lehrkräftemangels.
Der Personalrat der OSW betonte in seinem Beitrag, dass bereits jetzt viele Kolleg*innen an der Belastungsgrenze arbeiteten und die angekündigten weiteren Kürzungen ein Schlag ins Gesicht seien.
Deutliche Worte fand auch Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen. In seiner Rede kritisierte er die Darstellung der Landesregierung, wonach der Bildungsetat auf einen Rekordwert gestiegen sei. Wörtlich sagte er: „Warum kommt von dem vielen zusätzlichen Geld dann so wenig an den Schulen an?“ Die "wichtigste Bank Hessens" scheint nur auf dem Papier "die Schulbank" zu sein. Mit Blick auf das vermeintliche Haushaltsplus stellte er klar: „Ihr seht: die 400 Mio. Euro reichen nicht für die Erhaltung des Status Quo, geschweige denn für eine Verbesserung von Lern- und Arbeitsbedingungen!“
Scharf griff er die geplanten Einschnitte im Bildungsbereich an und erklärte: „Diese Kürzungen sind unsozial und das weiß die CDU und Herr Schwarz sehr genau. Es ist ihnen nur herzlich egal. Schämen Sie sich, alle zusammen!“ Hartmann verwies zudem auf massive Einschnitte beim Sozialindex sowie in der Ausbildung von Lehrkräften und rief zu weiterem Protest auf. Die Teilnehmenden reagierten mit zustimmenden Rufen, Applaus und einem lauten Pfeifkonzert.
Zum Abschluss der Kundgebung appellierte David Redelberger-Engel von der GEW an Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen, sich weiter zu engagieren und auch die kommende Protestaktionen zu unterstützen: 21.März 2026, 12 Uhr auf dem Friedrichsplatz!
"Wenn Schwarz die Schulen kaputtspart, rufen wir: Nicht mit uns!"
Bericht von Kirsten Antenbring, GEW KV Kassel-Land