Sonderpädagogische Förderung in Corona-Zeiten

Offener Brief der Bezirksfachgruppe Sonderpädagogik

Wir brauchen mehr Zeit für die Kinder mit besonderen Bedürfnissen, für die Beziehungs- und Erziehungsarbeit und für die notwendige individuelle Förderung. Wir brauchen kleinere Klassen und mehr qualifiziertes Personal – jetzt erst recht!

Foto Annie Spratt I unsplash

 

Großes Engagement allein reicht für eine gute sonderpädagogische Förderung schon lange nicht mehr aus! Die GEW fordert seit Jahren, dass mehr Zeitressourcen für jedes Kind und mehr Zeit für die Zusammenarbeit in den Kollegien zur Verfügung gestellt werden. Wir stellen fest: Zu viele Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen in den Klassen, viel zu wenige ausgebildete Förderschullehrkräfte, zu wenig sozialpädagogische Fachkräfte, mangelnde Zeit für Kooperation und Team-Teaching sowie viel zu viel Dokumentation, Verwaltungsarbeit und Bürokratie: Das ist nur ein Teil der Probleme, mit denen sich Lehrkräfte in der Umsetzung der sonderpädagogischen Förderung in allen Schulformen schon lange konfrontiert sehen.

In Corona-Zeiten hat sich die Situation in allen Schulformen noch deutlich verschärft!

Der kollegiale Austausch ist unter den Pandemiebedingungen so gut wie verloren gegangen, da in den Schulen der Schwerpunkt auf organisatorische Abläufe zur Umsetzung der Hygienemaßnamen gelegt wird. Die Kinder mit Beeinträchtigungen und ihren besonderen Bedürfnissen sind aber auf Zuwendung und Nähe angewiesen. Dies geht nicht mit Abstand und auch kaum im Distanzlernen!

Seit den Herbstferien ist aber das Ansteckungsrisiko und damit auch der mangelnde Arbeits- und Gesundheitsschutz in allen Schulformen bei Kindern, Eltern und Lehrkräften deutlich gestiegen! 

Deshalb brauchen wir jetzt ein tragfähiges Konzept, das allen Kindern und Lehrkräften angemessene Lern- und Lehrbedingungen während der Pandemiezeit zusichert!

Wir benötigen jetzt: 

  • eine strukturelle Klärung des Einsatzes der BFZ-Lehrkräfte, damit dem Anspruch auf sonderpädagogische Förderung eines jeden Kindes unter Wahrung des Gesundheitsschutzes aller entsprochen werden kann (Staatliches Schulamt, BFZ-Leitungen und ISB)
  • Aufstockung der Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte
  • ausreichend FFP 2-Masken, Plexiglasscheiben und weiteres Schutzmaterial bei der individuellen Förderung!
  • zusätzliches Personal, damit unsere notwendigen Pausenzeiten gewährleistet und die Betreuung der Kinder sichergestellt sind!
  • kleinere Lerngruppen für die individuelle Förderung
  • mehr Kooperationsstunden für den pädagogischen Austausch
  • weniger Bürokratie!
  • mehr Busse und Taxen für die Schüler*innenbeförderung, damit die Lerngruppenzugehörigkeit nicht aufgehoben wird
  • Schnelltests für alle Personen, die in Schulen tätig sind
  • Ausstattung aller Schüler*innen. Lehrkräfte und sozialpädagogischer Fachkräfte mit digitalen Endgeräten

 

      Andrea Michel für die Fachgruppe Sonderpädagogik I Beschluss des Bezirksverbandes Nordhessen