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Zeitung für die Beschäftigten in der Weiterbildung |
Ausgabe 3 / Sommer 2001
Thema:
Debatte
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Andreas
Hamm, GEW Hamburg Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist eine Betriebsversammlung bei einem Träger Namens Zebra e. V. in Hamburg. Das Thema der Versammlung war: Wie verteidigen wir unseren BAT gegen die Angriffe des Arbeitgebers. Meine Rolle als Gewerkschaftssekretär der GEW: Unterstützung des Betriebsrates bei seinen Aktivitäten. In der Debatte brachte
der Arbeitgeber ein für alle überraschendes Argument: Die
Gewerkschaftsvertreter seien in dieser Frage nicht glaubwürdig, da die
GEW ja bereits einen weitaus schlechteren Tarifvertrag als den BAT, nämlich
einen Branchen-Tarifvertrag im Koffer habe. Zebra e. V. ist einer
von vier großen Trägern im Weiterbildungs- und Rehabilitationsbereich in
Hamburg, die mit dem sogenannten MTV unter einen BAT-gleichen Tarifvertrag
fallen. Die Arbeitgeber dieser zum Teil stadtnahen Träger versuchen seit
einiger Zeit, die geltenden tariflichen Bestimmungen abzulösen. Sie tun
dies auf Druck der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales und der
Schulbehörde sowie der Arbeitsverwaltung. Diese nennen die Träger
„Insel der Seligen”, die sich in einem Markt mit Preisen bewegten, die
überhaupt nicht konkurrenzfähig und realitätsnah seien. Oder anders
ausgedrückt: Sie gelten als zu teuer. Die Geschäftsleitungen
der Träger scheinen dieser Forderung der Politik nachkommen zu wollen. In
Hamburg wird in diesem Zusammenhang über eine „dritte Säule” für
einen Spartentarifvertrag gesprochen. Eckpunkte der vorliegenden Entwürfe
sind radikale Lohnsenkungen (bis zu 25%), Wegfall der BAT-spezifischen
Gehaltsstrukturen (Lebensalterstufen, Bewährungsaufstieg), keine
betriebliche Altersversorgung. In diesem Zusammenhang
greifen die Arbeitgeber auch schon mal zur Ausgliederung einzelner
Betriebsteile und Bereiche. Oder sie gründen, wie gerade bei Zebra e. V.,
eine Tochterfirma, bei der die ausgeschiedenen befristet Beschäftigten
„neu“ eingestellt werden, natürlich zu ungünstigeren Konditionen
ohne tarifliche Bindung. Beschäftigt werden sie allerdings wie früher im
alten Betrieb. Ebenfalls beliebt sind
Versprechungen, bei Abschluss eines neuen, abgesenkten Tarifvertrages gäbe
es eine weitreichende Besitzstandswahrung für die vorhandenen
Arbeitnehmer. Wenn die Gewerkschaften den neuen Tarifvertrag aber besser
haben wollten als die Arbeitgeber, könne dies natürlich nur durch
Abstriche im Besitzstand geschehen. Wichtiges Argument der
Geschäftsleitungen und des Arbeitsamtes sowie der Politik ist der stets
wiederkehrende Hinweis auf GEW-Tarifverträge mit Trägern wie den
Euro-Schulen oder bei Berlitz. Die arbeitsrechtliche Vereinigung Hamburg,
der zuständige Arbeitgeberverband, hat mit diesem Hinweis die
Gewerkschaft ÖTV zu Tarifverhandlungen für die großen Träger
aufgefordert. Nun ist zwar jedem
klar, dass solche Vergleiche hinken. So führen die Euro-Schulen Hamburg
z.B. ausschließlich Sprachkurse „Deutsch für Aussiedler” durch, aber
keine Maßnahmen zur beruflichen Fort- und Weiterbildung oder zur
Eingliederung von Langzeitarbeitslosen, wie die „BAT”-Träger. Solche
Spitzfindigkeiten aber interessieren im harten politischen Alltagsgeschäft
weniger. Der Hinweis des Geschäftsführers
von Zebra e. V. auf der Betriebsversammlung zu dem angeblich schon
vorhanden Tarifvertragsentwurf der GEW ist dennoch politisch brisant. Zwar
ist die Behauptung leicht als falsch zu widerlegen, da in der GEW kein
„zuständiges Organ” einen solchen Tarifvertragsentwurf beschlossen hätte.
Sollten dennoch solche Entwürfe kursieren, so wäre dies nicht nur ein
Verstoß gegen die Satzung, sondern auch höchst gefährlich. Das Argument des Geschäftsführers
von Zebra e. V. weist nämlich auf den zentralen Punkt der Debatte hin.
Bei einen Branchen-Tarifvertrag kommt es nicht so sehr darauf an, was in
der Titelzeile steht, sondern was im Tarifvertrag drin steht, oder um es
anders zu sagen: Es geht um das angestrebte tarifliche Niveau. Man braucht kein
Hellseher zu sein, wo das Niveau eines Branchen-Tarifvertrages liegen könnte
und möglicherweise auch liegen würde. Es ist sicherlich nicht das des
BAT. Sollte man dies erreichen wollen, müss -ten bei fast allen Trägern
massive Verbesserungen durchgesetzt werden. Ein Blick auf die tarifliche
Wirklichkeit zeigt aber mehr als deutlich: Wo wir als GEW zur Zeit Tarifkämpfe
im Weiterbildungsbereich führen, führen wir Abwehrkämpfe. Bei allen großen
Trägern sind tarifliche Verschlechterungen das Thema der Verhandlungen
und Gespräche. Dies ist beim Internationalen Bund nicht anders als bei
den Niedersächsischen Volkshochschulen oder bei Arbeit und Leben in
Niedersachsen. Und wie man deutlich
sieht, geht es auch in Hamburg darum, das vorhandene BAT-Niveau zu
verteidigen. Den Kolleginnen und Kollegen bei der Stiftung Berufliche
Bildung, bei der Grone-Schule, bei Zebra und beim Berufsförderungswerk
Farmsen, aber auch bei nicht tarifgebundenen Trägern, wie dem Verein zur
Förderung der Beruflichen Bildung, erweisen wir einen Bärendienst, wenn
wir die Debatte um einen Branchen-Tarifvertrag ohne eine Klärung dieser
Frage weiterführen. In einer solche
Situation braucht man nämlich alle gewerkschaftliche Solidarität, nicht
aber Knüppel zwischen die Beine. Die Forderung nach einem
Branchen-Tarifvertrag ohne eine ehrliche Bewertung der Wirklichkeit im
Tarifbereich ist ein solcher Knüppel. Er muss sofort zerhackt und
verbrannt werden. Beenden wir die Diskussion und verteidigen wir unsere
Tarifverträge, statt sie ans Messer zu liefern. |