Offener Brief an Frau Henzler

 

 

        JEDES Kind hat das RECHT auf INKLUSION !

 

                        Das Recht auf inklusive Bildung ist ein Menschenrecht!

                  Die Personalräteversammlung der Grund- und Förderschulen
    und der Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Kassel-Stadt
                        und -Land fordern, dieses Recht  sofort umzusetzen!

 

Dies bedeutet, dass entsprechende organisatorische, personelle und finanzielle Bedingungen

geschaffen werden müssen und inklusive Bildung nicht unter einen Vorbehalt gestellt werden darf.

 

Der vorliegende Entwurf der VOSB erfüllt die Anforderungen an ein inklusives Bildungssystem nicht!

Ihre sogenannte “inklusive Beschulung“ ist nur eine schlechte Fortsetzung des gegenwärtig eingeführten

 “Gemeinsamen Unterrichts“ - mit weniger Lehrerstunden, größeren Klassen und komplizierteren bürokratischen Verfahren.

 

 

Unsere Kritik am Entwurf der VOSB richtet sich im Wesentlichen auf folgende Punkte:

 

· Klassen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet
   wurden, hatten aus guten Gründen eine niedrigere Schülerzahl. Diese
   Klassenobergrenzen sind in der neuen Verordnung nicht mehr vorgesehen

 

· Für eine Schülerin oder einen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
   waren 5 bis 10 zusätzliche Lehrerstunden vorgesehen. Diese Zuweisung wurde in
   den vergangenen Jahren bereits zunehmend unterschritten. Jetzt soll sie noch 
   weiter reduziert
werden. 

 

· Die Vorschriften zur Einrichtung und zur Arbeit von Förderausschüssen sind in
   hohem Maße bürokratisiert und zeitaufwändig. Schülerinnen und Schüler, deren
   adäquate Förderung die Möglichkeiten der Regelschule übersteigt, sollen dann
   doch einer „Förder"schule zugewiesen werden.

 

· Förderschullehrkräfte sollen, sofern ihre Stammschule eine allgemeine
   Schule ist, an Förderschulen versetzt werden. Die Entscheidung über
   sonderpädagogische Ressourcen und den Personaleinsatz liegt zukünftig vor allem
   bei den Beratungs- und Förderzentren.

 

· Der Übergang von der Kindertagesstätte zur Schule für Kinder mit Anspruch auf
   sonderpädagogische Förderung ist nicht angemessen geregelt. Unversorgt bleiben
   die Schülerinnen und Schüler, die neu in die 1. Klassen kommen und für die im
   Regelfall Hilfen erst in der 2. Klasse greifen können. Es ist inakzeptabel, dass die
   Grundschullehrkräfte ohne Unterstützung das 1.Schuljahr bewältigen sollen.
   Und: Wo bleibt hier das Recht der Kinder auf zusätzliche Förderung?

 

· Sprachheilklassen und Kleinklassen für Erziehungshilfe werden abgeschafft.
   Die Kolleginnen und Kollegen sollen überwiegend nur noch beratend tätig sein.
   Wie das allerdings personell konkret umgesetzt werden soll, lässt der  
   Verordnungsentwurf vollkommen im Dunklen.

 

 

 

 

Für eine erfolgreiche und ernsthaft gewollte Inklusion aller Kinder fordern wir:

 

· In der allgemeinen Schule brauchen wir multiprofessionelle Teams aus
   Regelschullehrerinnen und -lehrern, sozialpädagogischen Fachkräften und
   Lehrkräften mit besonderen Kenntnissen und Erfahrungen im Bereich der
   Förderdiagnostik und Förderpädagogik. Es darf keine Berufsgruppe zugunsten
   einer anderen abgeschafft werden!

 

· Die personelle Versorgung inklusiver Schulen muss förderliche und
   arbeitsfähige Strukturen durch Kontinuität und Verlässlichkeit gewährleisten 
  
(Wichtig auch: Zeitliche Entlastung für die Kooperation in den Teams!).

 

· Alle Kinder und Jugendlichen lernen und leben miteinander. Keine Trennung nach
   Art und Schwere der Beeinträchtigung! Das wäre Diskriminierung!

 

· Inklusive Bildung, die grundsätzlich an allen allgemeinen und beruflichen Schulen
   möglich sein muss, stellt hohe Anforderungen. Dies erfordert spezifische
   Fachkenntnisse, die bisher in den Kollegien nicht im notwendigen Umfang
   vorhanden sind. Deshalb sind Möglichkeiten zu schaffen für umfangreiche ortsnahe  
   und kostenfreie  Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.
   Eine veränderte Lehrer/innenausbildung ist notwendig.

 

 

Das Land Hessen ist verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention zur inklusiven Bildung umzusetzen.

 

Sehr geehrte Frau Henzler, ziehen Sie den vorliegenden Verordnungsentwurf zurück!

Schaffen Sie die inhaltlichen und personellen Voraussetzungen sowie die sachliche Ausstattung

für inklusives Lernen aller Kinder und Jugendlichen! Lassen Sie eine neue Verordnung erarbeiten,

durch die Inklusion wirklich gelingen kann!

 

 

Die Schulpersonalräte folgender Schulen: Wilhelm-Lückert-Schule (FöS), Astrid-Lindgren-Schule (FöS), GrS Waldau , Carl-Anton-Henschel-Schule (GrS),

August-Fricke-Schule (FöS), GrS Kirchditmold, Ernst-Leinius-Schule (GrS), Käthe-Kollwitz-Schule (Schule für Kranke), Pestalozzischule (FöS), GrS Unterneustadt,

GrS Harleshausen, Losseschule (GrS),  Valentin-Traudt-Schule (GrS),  GrS Brückenhof-Nordshausen, Auefeldschule (GrS),  GrS Am Lindenberg, GrS Königstor,

Herkulesschule (GrS), Fridtjof-Nansen-Schule (GrS),  GrS Eichwäldchen, GrS Jungfernkopf, GrS Am Heideweg, Alexander-Schmorell-Schule (FöS), Reformschule, 

Fasanenhofschule (GrS), Schule Am Wall (GrS), GrS Schenkelsberg - Kassel, GrS Frommershausen, Baunsbergschule Baunatal (FöS), GrS Am Stadtpark Baunatal,

GrS Sandershausen, Astrid-Lindgren-Schule Heiligenrode (GrS), Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen (GrS/ FöS), Regenbogenschule Lohfelden (GrS),

Eschenwaldschule Eschenstruth (GrS), Schäferlandschule Helsa (GrS), FHS Zierenberg (GrS), GrS Vollmarshausen, GrS Immenhausen, GrS Wahlsburg,

GrS Diemelaue Trendelburg, GrS Oberweser, Elbetalschule Naumburg (GrS), GrS Wolfhagen, GrS Nieste, GrS Niedervellmar, Helfensteinschule Ahnatal (GrS),

GrS Langenberg Großenritte, Hermann-Schafft-Schule Fuldabrück (GrS), GrS Heckershausen, Johann-Friedrich-Krause-Schule Schauenburg (GrS),

GrS Fuldatal-Simmershausen, Friedrich-Ebert-Schule Baunatal (GrS), GrS Am Lindenplatz Fuldabrück, GrS Niederkaufungen, GrS Söhrewald,

Brüder-Grimm-Schule Baunatal (GrS), Burgbergschule Grebenstein (GrS), Ernst-Abbe-Schule Oberkaufungen (GrS), GrS Zur Friedenseiche Hombressen,

Mittelpunktschule Wilhelmstal, Wiesenbergschule Hümme (GrS), Brüder-Grimm-Schule Hofgeismar (FöS), Käthe-Kollwitz-Schule Hofgeismar (FöS),

Personalratsmitglied der Osterholzschule Kassel (FöS),

GPRLL Kassel, Celal Atalay, Dagmar Hoppert-Siemon, Annette Karsten, Irina Kilinski, Bärbel Marx, Andrea Michel, Kati Schwierz, Volker Zeller

Kassel, 18.01.2012